Da hat sich jemand viel vorgenommen…

Wir haben am 17. April, nach einem kurzen Zwischenhalt bei den Kindern in Bremgarten, die Schweiz in Richtung Sizilien verlassen und unser Apartment in Licata bezogen. Das war unser Zuhause für die folgenden drei Wochen. Das Schiff war seit März in der Oceanica Werft in Licata auf dem Trockenen.

Arbeiten am Rumpf des Schiffes

Ja, tatsächlich, wir waren fast zwei Monate in der Werft und haben dem Schiff einen umfassenden Refit verpasst. Dieses Jahr war vor allem der Rumpf dran. Das alte Antifouling und der darunter liegende Primer wurden in mühsamer Handarbeit vom Rumpf weg gekratzt und der Rest bis zum Gelcoat (die weisse, äussere Hülle des Rumpfes) geschliffen. Glücklicherweise wurden dabei keine Blasen entdeckt, die auf die, bei den Schiffseignern befürchtete, Osmoseschäden hindeuten würden. Die Hülle ist also auch nach 10 Jahren noch intakt. Bei dieser Gelegenheit haben wir auch die Wasserlinie um 6 cm angehoben, da wir offensichtlich zu viel Wein an Bord 🙂 mitführen und deshalb das Schiff etwas tiefer im Wasser liegt. Zwecks Osmoseschutz haben wir nun 5 Lagen Epoxy aufgetragen. Um zu wissen wie weit man gekommen ist streicht man dabei den Rumpf jeweils mit dem Epoxy in zwei verschiedenen Farben. Zuerst grün, dann grau, grün, grau und am Schluss nochmals grau (siehe Bilder). Danach sollte der Rumpf für weitere zehn Jahre geschützt sein und ist bereit für das neue Antifouling. Wir haben uns entschieden diesmal das harte Antifouling (Ultra 300) zu verwenden. Zunächst haben wir zwei lagen in Schwarz und anschliessend zwei Lagen in Grau aufgetragen. So wissen wir genau wann sich der äussere Teil abgetragen hat und ein neuer Anstrich fällig ist. Die Kiel/Rumpf-Fuge wurde erneuert und Saildrive und Propeller mit Propspeed gestrichen. Das ist der goldfarbene Anstrich auf den Fotos. Um die Rumpf-Arbeiten abzuschliessen wurden auch die kleineren Kratzer oberhalb der Wasserlinie ausgebessert und der Rumpf poliert und mit Wachs behandelt. Das Schiff sieht nun besser aus als am ersten Tag!

Die neuen Seeventile

Die alten Seeventile aus Messing haben zehn Jahre gut gehalten. Die Ventile unter der Wasserlinie (10 Stk.) waren aber teilweise rostig und mussten ersetzt werden. Die oberhalb der Wasserlinie sehen noch immer wie neu aus und müssen nicht ersetzt werden. Bevor wir mit den Rumpfarbeiten begonnen haben, mussten die alten Seeventile weg. Zuerst muss der äussere „Kragen“ des Seeventils mit einem Winkelschleifer abgetragen werden. Danach kann das Seeventil aus dem Rumpf gezogen bzw. ausgeschlagen werden. Die alten Schläuche die daran hingen haben wir grösstenteils ersetzt. Nachdem der Rumpf von aussen saniert war wurden dann die neuen Seeventile aus Composit-Material (sie rosten nicht!!!) eingesetzt und die neuen Schläuche angebracht. Die Rumpfstärke ist in einzelnen Bereichen so gross, dass wir die überlange Version der Seeventile einbauen mussten. Ich glaube nicht, dass die neuen Schiffe noch so solide gebaut werden…

Segellast in der Vorpiek wird neu eingerichtet

Es war mir schon lange ein Anliegen die Vorpiek neu zu organisieren. Da man am Rumpf direkt nichts anbringen kann ohne Löcher darin zu bohren, müssen dafür zuerst die Träger aus Holz im GFK laminiert werden. Davor und danach müssen die Wände geschliffen werden. Eine ziemlich staubige Angelegenheit. Erst danach kann der Rumpf von innen neu gestrichen werden und die neuen Träger entlang des Rumpfes montiert werden. Die Arbeit hat sich aber gelohnt. Die neue Segellast sieht so aus (bevor die Segel und Fender darin versorgt wurden):

Neuer Wassermacher und eine Deckwaschpumpe

Da die Ersatzteile für den alten Wassermacher mehr kosten als der Neue, haben wir bereits im Dezember einen Schenker Zen 50 (50 steht hier für die Leistung in l pro Stunde) bestellt. Natürlich sieht beim Neuem die Installation wesentlich anders aus als beim Alten, sodass wir einiges an Vorkehrungen treffen mussten, um die Installation vom neuen Wassermacher vorzubereiten. Neue Löcher wurden gebohrt, Leitungen gezogen, träger laminiert. Nun ist aber auch dieses Projekt abgeschlossen. Wir haben viel Freude daran. Hoffentlich bleibt es auch so…. Eine Deckwaschpumpe habe ich mir auch seit Jahren gewünscht. Mit einer Deckwaschpumpe kann man zum Beispiel beim einholen des Ankers die Ankerkette vom Sand und Schlamm befreien, bevor sie dreckig im Ankerkasten landet. Die Pumpe haben wir so installiert, dass wir fürs Deck das Süsswasser anzapfen und für die Ankerkette das Meerwasser brauchen können. Im Notfall, bei einem Wassereinbruch in der Vorpiek kann die Pumpe auch als zusätzliche Bilgenpumpe eingesetzt werden. Um endlich von den Plastikflaschen fürs Trinkwasser (mindestens teilweise) weg zu kommen, haben wir die Tanks und Wasserleitungen gereinigt und in der Küche einen Karbonfilter installiert. Das Teewasser kommt jetzt direkt aus dem Wasserhahn!

Ja das waren so, die „kleinen“ Bootsarbeiten für diesen Winter (habe nicht alle aufgezählt). Die Entschädigung in Form von schönen Segeltagen, neuen Buchten und neuen Seglerbekanntschaften kommt hoffentlich bald. Wir sind noch in Licata. Das Wetter ist auch hier sehr wechselhaft und für die nächste Woche sind bis zu 60 Knoten Wind angesagt. Da bleiben wir gerne hier und geniessen Licata noch ein paar Tage länger.

Und was ist sonst noch so gelaufen bei den Turinas auf Sizilien

Viele schöne Erfahrungen mit den Einheimischen haben wir gemacht. Wir treffen immer wieder auf sehr liebenswürdige, fleissige und hilfsbereite Leute. Die Menschen sind sehr entspannt und bereit etwas zu leisten, ohne dafür immer etwas zu verlangen. Wir sind auch den zweiten Winter hier immer wieder gerührt und von neuem von den Leuten begeistert. Wir wollten den Menschen auch etwas zurück geben und haben am diesjährigen „Cleanup“ am Strand von Licata teilgenommen.

Das war die Ausbeute nach wenigen Stunden auf einem Strand. Es liegt noch viel mehr davon auf Strassen und Plätzen von Licata. Es gibt aber auch viele schöne Ecken und Plätze. In Sizilien lernt man das Augenmerk auf das Schöne zu richten und auch davon hat es hier glücklicherweise mehr als genug. Festa die San Angelo (der Stadtheilige von Licata) anfangs Mai gehört sicherlich dazu:

aber auch die kulinarischen Genüsse kommen hier nicht zu kurz:

Wir sind bald bereit wieder die Segel zu setzen. Ende nächster Woche geht es dann nochmals kurz nach Siracusa und dann weiter nach Kalabrien und Apulien. Anfangs Juni wollen wir vom Korfu aus die griechische Inselwelt im Ionischen Meer erkunden. Wie es dann weiter geht, haben wir noch nicht entschieden. Südtürkei steht hoch auf unserer Abenteuerliste. Mal schauen, ob es bereits dieses Jahr klappt… Bis bald wieder einmal. Wir wünschen allen einen schönen Sommer!

Eine Antwort auf „Da hat sich jemand viel vorgenommen…

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  1. Unsere Lieben, wenn wir eure Bilder sehen – dann wissen wir es bestimmt: Bevor die Welt untergeht, bleibt ihr immer auf dem Wasser.. Nun ich denke, dass dieser Unterhalt bestimmt immer mal gemacht werden muss. Aber nun ist wohl, wie bei einem grossen Service – Eintrag nicht vergessen…
    Wir selber waren anfangs Mai wieder in Südfrankreich. Hatten glücklicherweise besseres Wetter wie zu Hause – aber der Wind wehte/bliess noch nie so stark in den letzten Jahren. Und am Strand von Sète hatte es kaum Leute. Das Wasser war eisig kalt (15 Grad) und auch die wenigen einzelenen Badegäste liessen sich grad hinter dem Windschutz (Dünen) nieder. Aber wir haben die Tage in Bordeaux (Ausflug) und danach bei uns ‚ zu Hause‘ – bei Wind und viel Sonne genossen.

    Wir wünschen alles Gute, viel Sonnenschein – und nicht übertriebenen Wellengang..
    Liebi Grüss vu üs beidna Erika und Werni

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