Peloponnes-Runde (Juni 2022)

Wir sind am 10. Juni 2022 in Pylos auf dem Westpeloponnes angekommen. Mit 363 Seemeilen war dies eine der längeren aber auch angenehmeren Überfahrten. Wir konnten über 80 % der Strecke segeln, was im Mittelmeer eher eine Ausnahme ist. Hier gibt es (im Sommer) entweder gar keinen Wind oder dann wiederum zu viel Wind. Wir nutzten die Ausläufer eines kräftigen Mistrals, welcher vom Golf de Lyon entlang von Sardinien und Sizilien bis runter nach Kreta wehte und waren in weniger als zwei Tagen in Griechenland.

Pylos

Liegt in der schönen Navarinobucht, wo die Griechen in 1827 eine wichtige Seeschlacht gegen die Türken gewonnen haben und somit hier den Anfang vom Ende der osmanischen Herrschaft auf dem Peloponnes eingeläutet haben.

Hier haben wir uns paar Tage gut erholt und die erste Bekanntschaft mit der griechischer Küche machen können. Ein Freddo ist ein kalter, aufgeschäumter Cappuccino welcher von den Griechen in kleinen Schlücken über den ganzen Tag bis spät Abends getrunken wird. Caro liebt den Freddo, ich mag eher einen frischen Orangensaft. Den griechischen Joghurt mit Honig mögen wir aber beide gut.

Freddo Cappuccino und Joghurt mit Honig

Hier durften wir offiziell in Griechenland einchecken. Als Non-EU-Schiff mit der Schweizer Flagge durften wir beim Zollamt auch den Transitlog in Empfang nehmen. Dieser soll dokumentieren, dass wir spätestens nach 18 Monaten das nicht EU-Schiff aus Griechenland wieder ausgeführt haben. Aus uns unbekannten Gründen muss dieser in jedem Hafen bei der Hafenpolizei zweimal abgestempelt werden: einmal bei der Ankunft und ein zweites Mal bei der Abfahrt. Glücklicherweise lässt sich dies meistens in einem Vorgang erledigen. Wenn wir in der Bucht ankern, was ohnehin die bevorzugte Variante ist, muss kein Stempel bei der Hafenpolizei eingeholt werden. Die Griechen in Allgemeinen sind freundliche und nette Leute, es sei denn sie tragen eine Polizeiuniform… Also gehen wir denen möglichst aus dem Weg.

Der Transitlog

Pylos – die ersten Eindrücke:

Von Pylos aus ging es weiter in Richtung Koroni und Kalamata. Hier kam zu ersten Mal wieder der Wassermacher zum Einsatz – und uuups – siehe da: der Wassermacher ging gerade selber baden. Das teuere Teil befindet sich bei uns in der Segellast (separater Raum im Bug des Schiffes wo die „bunten“ Segel gelagert werden). Als ich nach zwei Stunden das Gerät wieder abschalten wollte, sah ich, dass um das Gerät schon 30 cm Salzwasser standen und das Gerät bis zur Hälfte geflutet war. Das Gerät lies sich auch nicht mehr über den Panel ausschalten. Also schnell an den Haupt-Stromschalter und mit zwei Eimern die rund 100 Liter Salzwasser aus dem Raum schöpfen. GRRRR! Frust! Ausgerechnet jetzt vor dem Griechenland Urlaub das wichtige Teil zu verlieren ist mehr wie ärgerlich. Das Wasser ist auf vielen kleinen Inseln Mangelware und daher verständlicherweise nur schwer zu bekommen. Nach langem Zureden und einer Intervention des Elektrikers in der Marina Kalamata kam zuerst die Starttaste am Panel und mit viel Föhneinsatz und WD40-Kontaktspray, nach paar Tagen auch die anderen Tasten. Der Wassermacher läuft nun wieder und wir sind überglücklich. Und wie der Läuft: Seit dem die Solarzellen in Sizilien richtig verdrahtet wurden, haben wir nun endlich verlässliche Verbrauchswerte. Siehe da – der Wassermacher lässt sich auch nur mit Sonne und Wind betreiben. Der Generator darf weiterhin ruhen.

Der Grund für den Wasserschaden war eine nicht korrekt installierte Zuleitung. Diese hat unser Techniker in Licata für den Konservierungsvorgang (vor der Winterpause) optimiert und danach die Schraube nicht mehr korrekt angezogen! Eigentlich wäre es sinnvoll gewesen bei der Erstinstallation das Gerät auf ein Podest zu stellen, sodass bei einem Leck in der Leitung das Wasser drunter liegt und das Gerät trocken bleibt. Das werden wir jetzt nicht mehr korrigieren können. Eine automatische Bilgepumpe mit Schwimmer kommt da aber neben dem Gerät asap zum Einsatz!

Unser HRO Seafari Escape Watermaker von Parker kann täglich bis 1600 l Trinkwasser produzieren. In der Regel brauchen wir ihn alle paar Tage für rund zwei Stunden laufen zu lassen.

Von Kalamata aus ging es für eine Nacht in die Limeni bucht und dann direkt weiter nach Monemvasia – die byzantinische Festung auf einem Felsen an der Westküste des Peloponnes!

Monemvasia

Hier durfte ich auch mal mit meinen beiden „Wasserreinigern“ (Sprich Nieren) zum Arzt. In der Urinprobe wurde ein wenig Blut nachgewiesen, sodass ich für weitere Abklärungen zum Röntgen und Ultraschall nach Neapoli weitergereicht wurde. Die Fahrt hin und zurück und die Übersetzungsdienste hat der Krankenpfleger Tasos mit seinem Privatwagen übernommen – „sie machen das so für ihre Patienten, da das ansonsten zu kompliziert wäre“. Das hat übrigens „nichts gekostet“ und ein Trinkgeld wollte Tasos auch nicht annehmen. Ich durfte die Röntgenbilder und die CD mit den Ultraschallaufnahmen nach zwei Stunden bereits mitnehmen. Der ausführliche Blut- und Urintestergebnis kam zwei tage später per E-Mail, zusammen mit dem Arztbericht in englischer Sprache und lateinischer Schrift(!). Ergebnis: Ich habe keine Urinsteine aber etwas „Sand“ und paar harmlose Zysten in den Nieren. Ab sofort bin ich also auch als Sanduhr zu gebrauchen. Den Arzt mit dem vorzüglichen Service kann ich jedem Empfehlen:

Von hier aus ging es unter Segeln weiter nach Kyparissi und dann nach Napflion weiter. Wir hatten täglich ab dem Mittag eine schöne thermische Brise aus S / SW von 15 Knoten, unaufgeregtes Raumwindsegeln. Der berüchtigte Meltemi wirkt hier um diese Jahreszeit noch nicht. Den werden wir bald in den Kykladen zwei Monate lang auskosten können.

Segeln in Griechenland mach generell viel Spass. Es gibt viele schöne Buchten wo man ungestört vor Anker liegen kann. Marinas sind Mangelware, was uns aber gar nicht stört. Man nutzt die öffentlichen Häfen und liegt hier vor eigenem Anker – Mooringleinen gibt es keine. Dafür ist es auch sehr günstig: Für unser 15 m Schiff zahlen wir zwischen 10 und 15 CHF pro Nacht (Wasser und Strom inklusive). So günstig hatten wir es noch nie. Im Preis inbegriffen ist auch das „Hafenkino“: wir können täglich beobachten wie andere Schiffe die Ankerketten kreuzen und dann beim Ablegen den Ankersalat klarieren dürfen. Meistens ohne grössere Blessuren. Irgendwann spielen wir dann auch bestimmt die Hauptrolle in diesem Kino.

Immer wieder begleiten uns unsere „alten Freunde“ die Delfine. Seit der Karibik haben wir keine Schildkröten mehr gesehen. Nun sind sie wieder!

Kyparissi (West-Peloponnes)

Napflion – die ehemalige Hauptstadt Griechenlands im Argolischen Golf

Napflion liegt gut geschützt in der nördlichsten Ecke des argolischen Golfes und besteht hauptsächlich aus Tavernen und Cafes.

Griechische Küche gefällt uns bisher sehr gut. Die Tavernas bieten meistens gute Hausmannskost, wie aus Grossmutterszeiten: Souvlaki (Spiesschen), Gyros (eine Art Kebab), Tzatziki, Moussaka, Pastitsio (wie Moussaka einfach mit Teigwaren), gute Schmorgerichte mit Lamm, Rind oder Poulet. Zwischendurch gibt es auch Fisch. Auch Gemüse darf nicht fehlen. Bei den Salaten gibt es nicht nur den „Griechischen“ Feta-Salat sondern auch schöne, bunte Blattsalate mit speziellen Dressings. Und zum Schluss noch was Süsses. Das Essen ist, zumindest hier auf dem Peloponnes, sehr günstig und liegt mindestens 50% unter dem was wir sonst im Mediterran jeweils pro Mahlzeit ausgegeben haben. Natürlich liegt dies auch an den günstigen Weinen. Viele Tavernas bieten gar keine Flaschenweine an. Es gibt den „Hauswein“ für € 4,- bis 8,- für einen halben Liter. Manchmal gibt es auch Retzina – der ist dann nur noch halb so „teuer“ . Den mögen wir aber nicht so. Die Tavernas liegen oft direkt am Wasser , sodass man beim Essen die Füsse im Sand wälzen darf. Hier paar kulinarische Eindrücke der ersten paar Wochen:

Nach Napflion ging es bei steifer Brise an Portocheli und Spetzes vorbei nach Ermione. Ermione liegt unweit des Ortes Hydra auf gleichnamiger Insel. Mit dem Touristenboot geht es nach Hydra, da man in diesem engen Hafen so dicht neben einander liegt, sodass ein Ankersalat fast nicht zu vermeiden ist. Das muss nicht sein.

Hydra

Die darauffolgenden Tage verbrachten wir bei starkem Nordwind in dem Saronischem Golf um Athen und bereiteten den nächsten längeren Schlag in die Kykladen vor. Auf unserer Route lagen Salamis, Epidavros und Vathi. Am Schluss ginge es nochmals nach Poros, wo jeder Peloponnes Segler mindesten einmal anlegen muss. Aufgrund des starken Windes war die Bucht regelrecht überfüllt und im Hafen gab es diesmal nur grosses Kino! Wir hatten es in der Neoriou-Bucht, die nur eine Meile von der Stadt entfernt ist, vergleichbar ruhig und wurden jeden Abend in der O Petros-Taverne lecker bekocht!

Für den 60 Meilen Schlag in die Kykladen nach Serifos haben wir uns den 5. Juli 2022 ausgesucht. Der erste Meltemi-Segeltag hatte es in sich. Darüber aber in der nächsten Folge unseres Reiseblogs. Stay tuned!

4 Antworten auf „Peloponnes-Runde (Juni 2022)

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  1. Unsere LIeben, sehr schön und interessant, immer wieder eure Artikel, Reiseberichte zu lesen….Da kommen doch bei uns älteren grad ‚heimelige‘ Gefühle auf, denn auf dem Pelepones waren wir auch schon – vor 32 Jahren.. unglaublich.. Deshalb sind wir schon so alt… Aber die Namen der Ortschaften, auch die kulinarischen Bilder kamen uns bekannt vor. Geniesst euer Leben, ob mit Sand oder ohne… und wer hat nicht doch irgendwo ab und zu Sand im Gebtriebe. Wir gehen auch fort – 1 Woche Katzen hüten – in Zug.. Ja, mindestens am schönen Zugersee..

    Herzlichi Grüess
    Erika und Werni

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    1. Hallo Ihr Lieben – wir freuen uns auch immer von Euch zu hören. Leider sind wir soooo weit weg. Vielleicht schaffen wir es uns diesen Winter im Engadin zu sehen. Geniesst die Katze vom Zugersee. Hier hat es auch sehr viele Katzen. Bleibt vor allem Gesund! Liebe Grüsse Caro und Zeljko

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      1. Also die Katzen leben immer noch, als wir weggefahren sind… und in dieser Woche waren wir trotz des warmen Wetter jeden Tag mit dem Töff unterwegs und haben fast alle Pässe in der Innerschweiz abgefahren.. war toll. Fast keine Autos unterwegs – standen alle am Gotthard.. unglaublich.
        Von wegen Winter: also wenn es für euch auch passen würde, wir kämen gerne für 1-2 Tage in die Berge. Wenn ihr ein Datum fühzeitig angeben könnt, wir schauen, dass es klappen sollte..
        Apropo Töff: Die Ladestationen erbringen ihre Leistung an den drei Fahrzeugen in der AEH. Habe sie immer unter Kontrolle…. Geniesst die Zeit
        Sommerlichi Grüess Erika und Werni

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      2. Lieber Werni – lass uns doch mal Mitte Januar – sobald wir nach Weihnachten wieder Hunger haben – einen Termin einplanen. Es kann ja auch unter der Woche sein – wir haben ja Zeit. Vielen Dank für das Hüten der Motorräder. Die vermissen wir schon ein bisschen ehrlich gesagt. Man kann ja nicht alles habe – zumindest nicht gleichzeitig 🛵🏍⛵️. Geniesst es! Liebe Grüsse Caro und Zeljko

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