Wir kommen wieder nach Hause!

Vor ziemlich genau einem Jahr sind wir aus Kroatien gestartet, um auf eigenem Kiel das Mittelmeer zu durchqueren und über den Atlantik zu segeln. Gestern wurde unser Schiff auf den Frachter verladen, um auf diesem Weg anfangs Juni Mallorca zu erreichen. Wir sitzen in der gemieteten Cottage auf Antigua und warten auf den Flieger in die Schweiz.

Eine gute Gelegenheit auf das vergangene Jahr zurück zu blicken und ein Resumée zu ziehen.

Das beste Jahr unseres Lebens!

Wir sind in den vergangenen 12 Monaten und weiteren rund 10.000 Seemeilen definitiv auf unserem Schiff angekommen. Das Schiff ist unser neues zu Hause. Mit eigenem Haus unterwegs zu sein ist ein Luxus das wir zu schätzen wissen. Nicht in anonymen Hotels übernachten müssen, keine Koffer packen müssen und trotzdem immer auf seine persönlichen Sachen zurückgreifen können, keine Zeit an den Flughafen vergeuden  und trotzdem immer wieder neue Orte zu entdecken. Das gefällt uns beiden sehr!

Als wir uns in  dieses Abenteuer gestürzt haben, waren wir uns keineswegs sicher ob das gut kommt. Als Paar auf den Weltmeeren unterwegs zu sein und jede Minute des Tages zusammen zu verbringen. Das ging gut, sehr gut sogar. Caro ist ein toller Partner und Crew-Mitglied.  Bis auf die langen Strecken, die nicht so ihr Ding sind, hat sie die Freude am Segeln entdeckt und die entspannte Art zu reisen sehr genossen. Mit paar T-Shirts, kurzen Hosen und Flip-Flops ein ganzes Jahr auszukommen, entspannt enorm. Der Zweierhaushalt gibt fast nichts zu tun. Die Wäsche wird von der Wäscherei gemacht. Putzen tut man laufend ein wenig. Und das war es!

Ansonsten galt es, sich auf eigene Bedürfnisse auszurichten und nur nach Wind und Wetter den Tag zu planen. Mit der Sonne aufstehen und wenn es dunkel wird zu Bett gehen, vergessen welcher Wochentag es ist, sich einfach treiben lassen. Wir schätzen diesen Luxus sehr.

Erkenntnisse

Zwei Sachen haben wir in den letzten 12 Monaten auch gelernt:

Probleme sind wie Flugzeuge – aus der Nähe gewaltig und in der Ferne so klein!  

Die Räumliche Distanz zum Alltag lässt die Sorgen und Probleme des Alltags kleiner werden. Für Einen wie mich, der sich gerne kümmert und Sorgen macht, eine Befreiung!

Wenn Du überall zu Hause sein möchtest, darfst Du nirgendwo zu Hause sein!         

Seit meiner Geburt war ich in jeder Phase meines Lebens «ein Fremder». Selbst in eigener Heimat, sobald man sich 50 km von zu Hause entfernt, ist man ein Fremder. In einem fremden Land sowieso. Ich fragte mich immer wieder: Wo bist Du eigentlich zu Hause? Nun weiss ich es: Nirgendwo und Überall. Das Nirgendwo war manchmal schwer zu ertragen. Heute weiss ich aber, dass das ÜBERALL nur dank NIRGENDWO möglich ist. Wenn Du das Alte nicht loslassen kannst, wirst du das Neue nie entdecken!

Verreisen heisst auch das Lästige hinter sich zu lassen!

Pendeln zwischen verschiedenen Kulturen, erlaubt es einem, Neues zu entdecken, aber auch die Schattenseiten des Lebens, die es überall gibt, einfacher zu ignorieren. Sobald sie zu fest in Erscheinung treten und lästig werden,  zieht man einfach weiter. Deshalb: «Mach es wie die Sonnenuhr, zähle die sonnigen Stunden nur!»

Kehrseite?

Ja, die gibt es auch.  Das Unterhalten und Pflegen von einem Schiff erfordert viel Geduld und eine ordentliche Summe Geld. Auf der ganzen Welt gibt es Handwerker die gut und weniger gut sind. Die sind alle gleich teuer und zum voraus nicht so einfach voneinander zu unterscheiden. Inzwischen kennen wir aber ein paar Gute und die werden wir auch wieder berücksichtigen.  Die Anderen werden wir tunlichst meiden!

Wir haben auch gelernt, dass nicht alles sofort in Ordnung gebracht werden muss. Sonst läuft man ständig den Handwerkern nach. Wir planen lieber alle paar Monate einen längeren Werftbesuch und bringen dann für einen Moment alles in Ordnung. Am nächsten Tag wird eine neue Reparaturliste angelegt.  

Soziale Kontakte (in Zeiten von „Social Distancing“ – das Unwort des Jahres 2020)

Ja, wir sehen unsere Freunde und Verwandte in der Schweiz nicht so oft. Die Kinder waren mehrmals bei uns in den vergangen 12 Monaten. Caro war paarmal  in der Schweiz. Ich nie. Wir sind uns bewusst dass diese Reise nur deshalb möglich war, weil unsere Söhne den nächsten Lebensabschnitt so gut gemeistert haben und Rösli so tapfer ihren Weg geht. Auch ohne meine Schwester, die sich um unser Haus in Kroatien kümmert wären wir kaum weg gekommen. Wir sind dankbar dafür.

Ansonsten gibt es Whatsapp calls und viele andere Möglichkeiten mit den Zuhause gebliebenen zu interagieren. Auch dieser Blog erlaubt unseren Freunden mit uns auf die Reise zu gehen und unsere Freuden und Leiden zu teilen. Unsere Freunde sind noch alle berufstätig und die persönlichen Treffen würden sich ohnehin auf  Freitag und Samstag Abend beschränken. Was macht man als Frührentner den Rest der Woche?

Wir haben auf der Reise viele neue Menschen kennengelernt  und auch Freundschaften geschlossen.  Die Wege kreuzen sich immer wieder, die Nachbarn in der Bucht sind immer wieder dieselben. Es gibt tägliche Funkrunden, um Informationen auszutauschen oder einfach miteinander zu plaudern. Gerade in der Covid-Phase eine sehr willkommene Abwechslung und eine wichtige Ressource, um über die Runden zu kommen.

Wo ist es schöner: Mediterran vs. Karibik?

Wir lieben das Mittelmeer mit seiner kulturellen Vielfallt, feinen Restaurants, mittelalterlichen Städten und lockeren Lebensart. Wenn wir hier das ganze Jahr segeln könnten, hätten wir wahrscheinlich Gibraltar nie passiert.

Das Mediterrane haben wir anfänglich in der Karibik vermisst. Mit der Zeit lernten wir aber auch die Vorzüge der Karibik kennen: angenehmes Klima, Temperaturen die selten über 30 Grad steigen, Wassertemperatur von 26 Grad, traumhafte Segelbedingungen mit konstanten Passatwinden von 15 bis 22 Knoten. Da der Wind immer aus östlicher Richtung weht, findet man auf der Westseite der Inseln unzählige Buchten und Ankerplätze, wo man bei ruhigen Wasser viele Tage und Nächte ungestört die Ruhe und Naturschönheit geniessen kann. Kein Gedränge in den Buchten, kein Seegang, kein Ankersalat, keine Hektik und keine teueren Marinas wie manchmal im Mittelmeer. Man kann in der Karibik ohne Weiteres ein halbes Jahr verbringen ohne je eine Marina zu besuchen und wenn man sich dafür entscheidet, bekommt man meistens einen grosszügigen Platz zu vernünftigen Preisen. Fazit: Sommer im Mittelmeer und Winter in der Karibik wäre für uns  die beste aller Segelwelten!

Und hier die letzten Karibikbilder dieses Jahres. Antigua leert sich langsam vor der Hurrican-Season. Der Flughafen ist noch immer geschlossen. Neue Touristen wird es bis Ende Juni wahrscheinlich nicht geben.

Wir haben es geschafft zwei Plätze auf einem Privatflug nach Point-à-Pitre für morgen Freitag, 22. Mai 2020 zu ergattern und können ohne Quarantäne in Guadeloupe auf den Flieger nach Paris umsteigen. Wenn alles gut geht können wir am Samstag um 12.20 den TGV nach Basel besteigen.

Nun freuen wir uns auf unsere Familie und Freunde. Den Sommer werden wir in der Schweiz und Kroatien verbringen. Vielleicht mal wochenweise auch Segeln gehen. Wenn die Häfen im Mittelmeer im Herbst wieder offen sind und das Leben in Europa wieder ein wenig lustvoller wird, spätestens dann wollen wir wieder aufs Schiff. Fortsetzung folgt!

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