
So empfinden die meisten hier gestrandeten Segler die jetzige Situation. Ich weiss, dass heute „das Jammern zum guten Ton“ gehört, die Situation hier ist aber noch etwas komplizierter. Die Inselstaaten hier reagierten schnell und rigoros. Stündlich ändern und verschärfen sich die Massnahmen. Einige Yachten irren von Insel zu Insel, dürfen nicht einlaufen. Nicht einmal, um das Schiff zu proviantieren, Diesel und Wasser zu bunkern. Die so wichtigen Servicebetriebe für Yachten sind wegen des „Lockdowns“ geschlossen. Man kann nur hoffen, dass die auf einmal existentiellen Systeme weiterhin funktionieren (Generator benötigt man um Strom für den Kühlschrank zu produzieren, Entsalzungsanlage um Trinkwasser zu produzieren).
Hier bleiben und warten bis es vorbei ist
Geht nicht. Ab Juni bis 15. November ist hier die „Hurrican-Season“. Spätestens ab dann, gibt es hier keinen sicheren Hafen mehr.

Die vielen hier gestrandeten Segler verfolgen daher eine der drei möglichen Strategien:
1.) Zurück nach Europa segeln

Normalerweise startet man hier irgendwo im Norden der Antillen (z.B. BVI), haltet und proviantiert in Bermuda, wartet auf das richtige Wetterfenster und segelt dann zu den Azoren, proviantiert nochmals, repariert was zu reparieren ist und wartet auf das richtige Wetterfenster um nach Europa zu segeln. Bevor man auf die Reise geht, repariert und wartet man alles was auf dem Schiff wichtig ist und besorgt sich die Ersatzteile. Vorher lässt man die Crew-Verstärkung anreisen.
- Reparieren / Warten – geht nicht
- Crew anreisen lassen – geht nicht
- Ersatzteile liefern lassen – geht mit Schwierigkeiten
- Bermuda anlaufen – geht nicht
- Azoren anlaufen – Wasser und Diesel tanken geht. Man muss sofort weiter segeln.
- Portugisiche / Spanische Häfen anlaufen – geht nicht
Segeln über den Atlantik geht jetzt nur noch mit der Mannschaft die schon auf dem Schiff ist, mit nicht gewartetem Schiff und das Nonstop in 45 Tagen von der Karibik nach England oder Deutschland. Vorher sollte man freiwillig 15 Tage in die Quarantäne, um sicher zu sein, dass man gesund die Reise antritt und nicht Mitten auf dem Meer erkrankt (!). Wasser und Diesel kann man auf den Azoren tanken. Mit der Quarantäne dauert die Reise 60 Tage.
2. Sich aus dem Hurrican-Gebiet entfernen

Das heisst südlicher vom 12. Breitengrad segeln. Hier bieten sich vor allem Grenada und Trinidad und Tobago an (die notabene beide zur Zeit geschlossen sind). Um den Versicherungsschutz zu erlangen muss man aber das Schiff auf einem Trockenplatz „hurrican-sicher“ lagern. Danach schaut man, ob man selber nach Hause kommt (wird schwierig) oder man sucht sich eine Bleibe für die kommenden Monate in der Nähe. Angesichts der Tatsache, dass die Hotelanlage alle geschlossen sind, wird das auch nicht so einfach. Wir finden, dass ist höchstens ein Plan C.
Wir haben nun provisorisch einen Platz in der Marina Cartagena in Kolumbien ab 1. Juni gebucht. Cartagena ist eine sehr hübsche Stadt und liegt noch etwas weiter südlicher, somit auch etwas sicherer als Grenada. Aufgrund der Lage hoffen wir hier das Schiff nicht auf dem Trockenplatz lagern zu müssen. So könnten wir also noch eine Zeitlang auf dem Schiff in der Marina leben und müssten nicht über den Atlantik segeln. Von Antigua, wo wir uns seit gestern befinden“ sind es bis Cartagena 800 Seemeilen. Das trauen wir uns allein auch mit dem nicht gewartetem Schiff in 5 Tagen zu stemmen.
Ein grosses Problem bleibt bestehen: Kolumbien ist zur Zeit gesperrt für Besucher. Wir wissen nicht, ob wir im Juni anreisen dürfen. Dies bleibt ein vorläufig etwas unsicherer Plan B!
3. Das Schiff mit dem Schiff nach Europa verschiffen



Wir wollten immer auf eigenem Kiel Europa erreichen und haben diese Option nich ernsthaft geprüft. Angesichts der Umstände erscheint uns diese Variante heute als die Beste. Im April und Mai werden mehrere Schiffe voll beladen mit Yachten in Richtung Mittelmeer oder England fahren. 15 Tage später ist das Schiff am neuen Ort. Der Dienstleister stellt sicher, dass ein Profi-Skipper das Schiff in einer lokalen Marina vertauen kann. Selber wird man es nämlich nicht schaffen bei der Ankunft vor Ort zu sein. Die Transport-Schiffe starten aus Antigua. Wir haben es gestern, einen Tag vor dem Lockdown, geschafft, nach einer ärztlichen Kontrolle hier einzureisen. Das war eine Zitterpartie….
Nun sind wir dabei am kommenden Montag den Transportvertrag mit Peters&May, führenden Anbieter auf diesem Gebiet, zu unterzeichnen. Wir hoffen, dass wir es auf eines der beiden Schiffe im April oder Mai schaffen, denn das hoffen noch viele andere auch!
So wäre das Schiff in sicherem Hafen auf Mallorca und wir müssten „nur“ noch dafür sorgen, dass wir irgendwann auch nach Hause kommen. Denn das Schiff ist seit einem Jahr unser zu Hause und viele andere Wohngelegenheiten gibt es hier vor Ort auch nicht.
Zu allem Kopfzerbrechen bei den wenigen Handlungsalternativen bleibt aber die wichtigste Sorge zur Zeit auf der Strecke. Wir müssen schauen, dass wir gesund bleiben, weil hier in den Spital zu müssen ist nicht wirklich eine Option.
Fast noch wichtiger ist es uns, dass es unseren Lieben zu Hause weiterhin gut geht, denn wenn was passiert, wir können hier nicht weg. Vor allem dies bereitet uns schlaflose Nächte!
Also, liebe Leute: 1.) Ihr bleibt schön gesund 2.) Ihr drückt uns die Daumen, weil was Anderes könnt ihr zur Zeit auch nicht tun!
Hallo Zeljko
Seit vorsichtig , und bleibt gesund !
Wenn Ihr eine Bleibe sucht kenne ich jemand auf der Domenikanische Republik der ein Hotel hat (Italo / Schweizer)
Aber so wie Du schreibst wird es schwierig sein sich auf eine andere Insel zu bewegen.
Bleibt gesund
Gruss
Paco
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Vielen Dank, Paco!
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Unsere Lieben, wir können mit euch fühlen.. als wir aus Argentinien weg wollten – kein Flugbillett (mehr), kein WLAN und wie weiter? Wir beide waren plötzlich ganz klein und einsam, weil der sichere Hafen ( ‚unsere Schweiz‘) so weit weg ist… Wir drücken euch die Daumen, ihr werdet das Schaffen, seid zuversichtlich, es gibt immer wieder ‚gute Geister‘, die einem unter die Arme greifen.
Nur das Beste – für den Schlussspurt, der wohl so kaum je eine Variante war, wie so vieles für uns Menschen in letzter Zeit. Haltet unsere HygieneVorschriften ein – so kommt ihr gesund und wohlauf zurück. Wir glauben an die Crew aus Schofise. Werni und Erika
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Danke für das Mitgefühl, liebe Erika und Werni!
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Hallo Viva Crew, auch wir haben heute mal wieder unsere Optionen diskutiert. Vielleicht sollten wir Kolumbien in Betracht ziehen. Cartagena sollt ja sehr schön sein. Ich wünsche Euch auf jeden Fall viel Glück, für welche Option Ihr Euch auch entscheidet. Bezüglich des Yachttransports: Hier in Martinique war diese Woche ein Yachttransporter, wo man als sogenannter“Rider“ auf seinem eignen Boot wohnen bleiben kann. Hatte ich vorher auch noch nie gehört. Bietet Peters&May das aus an?
https://sailingescape.blog/2020/04/01/willkommene-abwechslung-besuch-der-superservant-4/
Liebe Grüße aus Martinique
Annemarie von der escape
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Liebe Annemarie – Wir sind uns mehrfach begegnet, haben uns aber nie kennengelernt. Danke dem Corona-Virus kommt man sich nun zumindest virtuell ein bisschen näher. Vielen Dank für die guten Wünsche. Wir werden Euren Blog verfolgen und wünsche Euch eine weise Entscheidung und viele Spass wo immer Euch der Wind trägt! Viele liebe Grüsse Caro und Zeljko von der Viva
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