Auf der Flucht von „Gota fria“

Gota Fria („kalter Tropfen“)

Die Gota Fria hat sich bereits auf Ibiza angekündigt. Wir sind von hier aus gerade rechtzeitig mit den ersten Regentropfen in Richtung Festland weg gesegelt. Danach gab es für rund zwei Wochen täglich Regenschauer und Gewitter mit bis zu 40 KN Wind. Der „kalte Tropfen“ ist ein, für den Monat September häufiges Wetter-Phänomen in Spanien, bei dem die ersten atlantischen Tiefs mit feuchtkalter Luft auf das Warme-Mittelmeer treffen. Die Folgen waren diesmal verheerend: 7 Tote (meistens Autoinsassen die sich nicht in Sicherheit bringen konnten), Überschwemmungen und Erdrutsche. Am meisten betroffen waren die Provinzen Murcia, Alicante und Valencia mit Mallorca. An manchen Orten fielen innerhalb von 15 Stunden 600 Liter Regen pro Quadratmeter. Auch Almeria wurde am Schluss in Mitleidenschaft gezogen. Nur Stunden nach dem wir in Richtung Malaga gesegelt sind.

Cartagena und Almeria

In einem ersten Nachtschlag haben wir Cartagena erreicht, wo wir die beiden darauffolgenden Nächte verbracht haben. Eine saubere Marina und eine nicht allzu aufregende Stadt. Danach ging es in einem weiteren Nachtschlag nach Almeria, wo wir fast eine ganze Woche in der Marina Aguadulce verbracht haben. Hier haben sich unsere Wege endlich mit der „Swiss Lady“ gekreuzt. Claude und Theres aus Meiringen sind im April aus der Südtürkei in Richtung Gibraltar aufgebrochen, mit dem selben Ziel wie wir: Teilnahme am ARC+ im November ab Gran Canaria. Den ersten Kontakt hatten wir per Mail im April. Nun haben wir uns südlich von Almeria getroffen und einen gemütlichen Abend in Aguadulce zusammen verbracht.

Unsere elektrischen Trottis

Unsere beiden Trottis haben uns in den oft weitläufigen Städten und Marinas einen unverzichtbaren Dienst erwiesen. Wir fahren damit zum Shipchandler, in den Supermarkt aber auch in die Restaurants. Irgendwo findet man immer einen Platz um die Dinger zu versorgen. Auch wenn wir mal einen Wagen mieten, liegen die kleinen Flitzer im Kofferraum und vergrössern bei Ausflügen unseen Erkundungs-Radius beträchtlich.

Cartagena und Almeria

Da wachsen unsere Migros-Coop-Aldi-Lidl-Tomaten, gut geschützt vor der Mittelmeersonne!

Wo unsere Tomaten wachsen

Von Almeria bis Malaga gibt es nicht sehr viel zu sehen. Gewächshäuser soweit das Auge reicht. Kilometerweit erstrecken sich, die mit einer Stoffblache bedeckten Plantagen, auf kargem Boden und fast ohne Wasser in denen die Bootsflüchtlinge ein sehr bescheidenes Einkommen verdienen. Ich habe immer die spanischen Tomaten den holländischen vorgezogen, in der Meinung, dass diese natürlich gedeihen. Das war ein Irrtum…

Granada

Zwei Autostunden von Almeria entfernt liegt Granada mit der Alhambra. Diese Gelegenheit wollten wir nutzen, um wieder einmal nach 4 Monaten Abstinenz ein Auto zu lenken. Nachdem man sich auf die 7KN / Std (Boot) und 22 KM / Std. Trotti gewöhnt hat, kommen einem die, meistens limitierten 100 Km / Std., extrem schnell vor. Nach der Stadtbesichtigung haben wir am Nachmittag eine dreistündige Führung durch die Alhambra genossen. Eine von den Arabern wunderschön angelegte Anlage mit einer Festung und einer Somerresidenz und wunderschönen Gärten, die mit dem Wasser aus Sierra Nevada in einem nach römischen Vorbild gebauten Bewässerungssystem versorgt werden.

Malaga / Marbella / Estepona / Ronda

Mein ehemaliger belgischer CFO Kollege besitzt ein Haus in Nerja, nahe Malaga. Wir haben versprochen anzuhalten wenn wir mal in der Gegend sind. Das haben wir auch getan und Valere kam prompt angeflogen aus Bruxeles. Diane war bereits da. Zusammen haben wir einen Ausflug nach Ronda unternommen:

Nach dem obligatorischem Besuch in Puerto Banus, dem Marbella Yacht-Hafen mit der grössten Ferrari Dichte per Capita, hatten wir noch einen schönen Abend in Estepona.

Estepona ist ein einfacher Hafen mit einem tollen Restaurant-Angebot direkt im Hafen oder in den Chiringuitos (Strandbars) am nahe gelegenem Strand. Der Hit sind die Sardinen-Spiesse oder ganze Fische aufgespiesst und direkt am Grillfeuer gebraten (ohne Grillrost).

Gibraltar

Auf den letzten 30 SM des Mittelmeers nach Gibraltar durften wir unseren 188 m2 Monsterspi nochmals testen. Alles ging gut, wenn auch wir nach wie vor grossen Respekt vor dem grossen Tuch haben. Viel mehr „handy“ ist unser 140m2 Code Zero, welches wir auf den Scheinbar-Wind-Kursen (AWA) 50 – 90 Grad sehr gerne einsetzen. Da sind bei 12 KN Wind Bootsgeschwindigkeiten von 9 KN und mehr erreichbar.

Gibraltar – der Abschied vom Mediterran!

Grenzt Spanien and Grossbritannien? Man ist geneigt NEIN zu sagen. Wenn da nicht dieser 7 Km2 grosser Felsen wäre, bewohnt von 35.000 Einwohner und 12 Affen, an dieser strategisch wichtigen Stelle zwischen Europa und Afrika! Seit dem spanischen Erbfolgekrieg in 1704 unter der Verwaltung des Vereinigten Königreichs und somit seit über 300 Jahren ein Stachel im Fleich der stolzen Spanier. Wir haben in der Marina Alcaidesa einen schönen Platz gefunden, um so auch die letzten Tage im Mittelmeer auf spanischem Boden zu verbringen. Die offiziellen ARC -Flaggen werden immer häufiger, je näher wir unserem Start auf den Kanarischen Inseln kommen.

Caro fuhr mit dem Trotti über den offiziellen Grenzübergang nach „Grossbritannien“. Dieser befindet sich auf der Landebahn des Gibraltar-Flughafens. Ich habe von Gibraltar lediglich die Tankstelle gesehen. Die Möglichkeit für 0.6 £ ein Liter Diesel zu tanken wollten wir uns nicht nehmen lassen.

Delfine vor Malaga

Als wir an Malaga vorbei segelten, schwammen auf einmal über 50 Delfine auf uns zu. Eine kleine „Familie“ begleitete uns mehrere Seemeilen spielend vor unserem Bug, bevor sie sich auch der grossen Gruppe angeschlossen haben. Ein einmaliges Erlebnis!

Nun schliessen wir unser zwei Sommer dauerndes Mittelmeer-Abenteuer mit 6.632 Seemeilen im Kielwasser (davon 3.539 in diesem Jahr) ab. Wir freuen uns auf die spanische Atlantikküste, Algarve, Madeira und Kanarische Inseln!

4 Antworten auf „Auf der Flucht von „Gota fria“

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  1. Hallo Caro und Zejlko

    Es ist uns immer einen Vergnügen deine Berichte zu lesen, und sicherlich diesen Mal. Wenn du auf dem Ruckweg wieder im Süden von Spanien vorbei kommt, bitte gern Bescheid geben so dass wir uns wieder treffen können. Viel Spass und Glück auf die Atlantic und wir werden deine zukunftige Berichten mit noch mehr Interesse lesen.

    Liebe Grüsse

    Diane & Valère

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  2. Liebe Seefahrer
    Wir waren auch nicht immer nur im Aargau.. und sogar soweit weg, wie noch nie… Spannung muss erhalten bleiben…
    Wir waren u.a. im De Hoop Nature Reserve. Dort trauten sich die Meeressäuger aber nicht so nahe an uns heran – hatten offensichtlich mehr Respekt vor uns (Schofiser). Deshalb können wir auch keine Bilder anhängen.. Geniesst das weitere ‚Abenteur‘ – und immer schön (leserlich) schreiben auf dem Atlantik, bei diesem Wellengang…

    PS: am 6. Dezember 2019 wird bei uns der schönste Dorfplatz eingeweiht. Wenn ich es noch schaffe oder kann, hänge ich noch ein Bild an – oder geht das gar nicht? Auf jeden Fall, wünschen wir euch beiden nur das Beste – und Schiff Ahoi (?)

    Liebi Grüess
    Werni und Erika

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    1. Hallo Ihr Lieben – Wir sind dank Facebook bestens informiert: Südafrika mit Frau Stalder. Das ist unsere Traumdestination (Landschaft, Leute und Wein). Was will man mehr!?
      Am 21.11. geht es weiter von Mindelo / Kapverden nach St. Lucia. Wir können unterwegs einfache Textmail über Iridium empfangen (viva.turina@myiridium.net) . Bilder würden aber zu lange dauern (2.6 kb / sec).
      Geniesst es weiterhin! Viele liebe Grüsse

      Caro und Zeljko

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