Kykladen – da wo Griechenland so ausschaut wie wir es aus der Werbung kennen. Tiefblaues Meer, von der Sonne verwöhnte Inseln mit „weisen Dörfern“ auf dem Berg und Tavernas am Sandstrand. Ein Traum für jeden Reisenden und jeden Segler. Es wäre so schön…. Ihr ahnt es schon – es gibt ein Aber! Der Spielverderber heisst hier Meltemi (türkisch) oder Etesians (jährlich wiederkehrend / griechisch). Das „Biest“ plagt uns schon seit Tagen und hat uns bereits einige „Buchttage“ mehr beschert als es uns lieb ist. Mit Windstärken zwischen 20 und 30 Knoten, an exponierten Stellen bis 40 Knoten (= Sturmstärke) bläst er seit Tagen und so soll es bleiben, mindestens noch eine weitere Woche lang. Die meisten Winde legen sich abends ins Bett und schlafen ein. Nicht so der Meltemi – der bläst Tag und Nacht – Abends am stärksten, am Vormittag etwas weniger. Weniger heisst im Augenblick 25 Kn. Wenn man gegen an segeln muss, kommt noch der Fahrtwind dazu, sodass man unter 30 Kn scheinbaren Wind (7 Beaufort) gar nicht zum Segeln kommt. Vielleicht kann man im Schutz der Inseln etwas Ruhe finden? Denkste – hier kommen heftige Fallböen dazu, sodass einem die Segel und Schoten um die Ohren fliegen. Im nu hast du da nochmals 5 Knoten mehr Wind auf dem Tacho. Wir haben zusammen schon 15.000 Seemeilen im Kielwasser und sind definitiv keine Anfänger mehr. Kykladen sind (zumindest im Sommer) aber auch nichts für Anfänger!
Es ist so schön hier….
wenn nur der Meltemi nicht so unablässig blasen würde….
Was ist Meltemi?
Meltemi ist ein synoptischer Wind. Im Unterschied zu den thermischen Winden, die tagsüber oft der Küste entlang wehen und abends zusammenfallen, entsteht ein synoptischer Wind begünstigt durch eine spezifische Wetterlage. Das erklärt auch wieso Meltemi auch mehrere Tagen bis Wochen lang wehen kann, eben solange sich die ihn begünstigte Wetterlage nicht ändert.
Meltemi entsteht aus dem Druckunterschied zwischen dem (Azoren) Hoch über dem Balkan und dem Hitzetief über der Türkei und der arabischen Halbinsel. Da sich die Luftmassen um das Hoch im Uhrzeigersinn und beim Tief im Gegenuhrzeigersinn (auf der nördlichen Halbkugel) drehen, treffen sich diese beiden Strömungen über der Ägäis und verstärken sich gegenseitig (siehe Bild).

Eigentlich ist dies die vorherrschende Wetterlage im Sommer (Mitte Juni bis September) im Mittelmeer. Das erklärt auch wieso der Meltemi an 70 % der Tage im Hochsommer wehen kann. Dann bleiben die Segler im Hafen oder in der Bucht vor Anker. Die Sonnenanbeter am Strand werden mit dem Sand „paniert“ und die Chartersegler versuchen unter Motor pünktlich ihren Ausgangshafen zu erreichen.
Was sind die Lehren aus der ersten Meltemi-Segelwoche:
- Die Nacht und den frühen Morgen nutzen. Manchmal sind das die einzigen „segelbaren“ Stunden des Tages
- Topografische Verstärkungen beachten. Steile Berghänge, Steilküsten, Meerengen (Düsen und Kapeffekte) können locker um ein bis zwei Windstärken stärkeren Meltemi hervorrufen. Wir halten uns daher auf sichere Distanz von den Inseln. Hier ist der Wind beständiger und damit berechenbarer.
- Wir setzen die Segel erst wenn die Fallböen vor den Inseln nicht mehr spürbar sind und konsequenterweise bergen wir die Segel aus gleichem Grund zwei – drei Meilen vor dem Ziel.
- Meltemi schläft manchmal für kurze Zeit ein, um kurz danach, um so heftiger um die Ecke zu kommen. Ein Reff mehr im Gross als man eigentlich normalerweise benötigt ist hier auf jeden Fall ratsam. Ausserdem noch „rechtzeitiger“ reffen und dafür aber mit dem Ausreffen länger zuwarten scheint uns der richtige Ansatz zu sein.
Immerhin ist der Meltemi ein Schönwetterwind. Die Hitze kommt hier gar nicht auf und das Meer ist noch angenehm frisch. So wie es im Augenblick ausschaut mögen die Quallen den Meltemi auch nicht. Bis jetzt sind wir davon verschont geblieben.
So geniesst nun das Azorenhoch in Europa im Wissen, dass er den Kykladensegler ein bisschen zu viel Wind bringt. Ihr könnt ja nichts dafür!









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