
Wir sind als eines der letzten Schiffe am 26. März in Antigua eingereist. Einen Tag später wurden die Grenzen geschlossen und seit 2. April gilt zwischen 12.00 Uhr und 7.00 morgens die Ausgangssperre, vorerst für eine Woche. Wir gehen aber davon aus, dass morgen die Regierung von Antigua und Barbuda die Ausgangssperre um mindestens eine Woche verlängern wird. Die Massnahmen der Regierung sind aber sehr ausgewogen, alles passiert hier mit Augenmass, Einkäufe sind täglich zwischen 7.00 und 12.00 Uhr möglich, es ist praktisch alles erhältlich. Auch die Marina, die Werft und der Marinashop bieten einen reduzierten Vormittags-Service an. Eigentlich alles soweit OK!

Unser Ankeplatz liegt vor der Marina Jolly Harbour, ganz weit draussen vor der Hafeneinfahrt. Das Wasser ist hier sauberer als im Innenbecken und der Wind bring ein wenig Erfrischung. Mit dem Dinghy geht es dann quer durch die Marina zum Lebensmittel einkaufen.
Matteo hatte einen Flug in die Karibik für den letzten Samstag gebucht. Geplant war es, dass er die Osterferien mit uns verbringt. Wir haben uns sehr darauf gefreut und die Angelausrüstung bereit gelegt. Leider wurden alle Flüge abgesagt. Man kommt weder in die Karibik noch von hier aus nach Europa zurück. Einer der letzten Besuche war Lina, unsere Nachbarin aus Oberwil-Lieli. Sie musste aber den Besuch abbrechen und den ersten Flieger von Guadeloupe über Paris in die Schweiz nehmen.

Wie schaffen das!

Nach der anfänglichen Verwirrung hat sich irgendwie die Einsicht durchgesetzt, dass man die Situation akzeptieren muss und vorerst nichts ändern kann. Die Segler bleiben ruhig und versuchen aus der Situation das Beste zu machen. Die meisten Segler gehen davon aus, dass eine gewisse Lockerung sowohl hier wie auch in Europa bis Ende Mai eintreten dürfte. Es haben sich mehr oder weniger 4 Gruppen gebildet:
- Die Amerikaner und Kanadier werden bereits im April die Rückreise in ihre Heimatländer antreten. Sie benötigen kein USA Visum und können die Reise mit vielen Zwischenstopps vor den ersten Hurricans relativ locker hinter sich bringen
- Eine zweite Gruppe bleibt in der Karibik und sucht sich einen Hurrican-Shelter im Süden, ausserhalb des Hurrican-Belts – meistens in Grenada. Je nach Versicherungsgesellschaft heisst das, das Schiff auf einem Trockenplatz zu lagern und die Hurrican- und Regenzeit in einem AirB&B zu verbringen. Es gibt Versicherungen die Ihren Kunden auch einen Platz im Wasser erlauben. Dann kann man natürlich auf dem Schiff wohnen. Unsere Freunde die diese Variante gewählt haben, wollten die Zeit für eine ausgedehnte Nord- oder Südamerika-Reise nutzen. Diese Idee haben aber alle fallen lassen müssen.
- Eine grosse Gruppe vor allem Deutscher-Segler wird von hier aus im Mai die Azoren anlaufen und dann weiter in Richtung England / Deutschland segeln. Sie bemühen sich zur Zeit auf diplomatischem Wege zu erwirken, dass sie entlang der Route einzelne Häfen in Portugal / Spanien und Frankreich im Notfall anlaufen dürfen. Heute ist das leider nicht möglich. Das ist für viele schwer verständlich, da die Schiffe, bevor sie einen Hafen in Europa anlaufen, mindestens drei Wochen unterwegs sind und so kaum Virus einschleppen können. Die meisten Segler verordnen sich, aus eigenem Interesse, bereits zwei Wochen vor der Abreise eine freiwillige Quarantäne, weil sie sicher gehen wollen, dass sie unterwegs nicht erkranken. Die Schiffe können keine zusätzliche Crews einfliegen und sind somit mit kleinen Crews unterwegs, teilweise alleine, teilweise Ehepaare mit kleinen Kindern. Sie alle konnten die Schiffe hier zur Zeit nicht warten und hatten nur teilweise Zugang zu den nötigen Ersatzteilen. Wir haben einen grossen Respekt vor diesen mutigen Seglern und drücken allen den Daumen, dass alles gut kommt!
- Die vierte Gruppe wird das Schiff mit einem der Anbieter von Martinique, Guadeloupe oder hier aus Antigua nach Europa verschiffen. Auch wir haben für die Viva einen Platz auf dem Frachter nach Europa gefunden. Anfangs Mai geht es von St. Johns / Antigua nach Mallorca. Wenn alles gut geht, liegt die VIVA Ende Mai in ihrem alten Heimathafen auf Mallorca. Die Hansevertretung in Palma wird sich um sie kümmern, bis wir dann mal in Europa angekommen sind und nach Spanien reisen dürfen. Vorerst werden wir uns ein AirB&B in Antigua suchen und fleissig die Flugpläne studieren. Wir hoffen bis Ende Mai einen Flieger nach Europa besteigen zu können. Am ehesten von Guadeloupe oder Martinique und dann über Paris.
- Viele wollten wissen, wie ein Schiff auf den Frachter verladen wird. Hier eine spannende Variante:
Und jetzt?
Jetzt heisst es Geduld haben, gesund bleiben und die Zeit in der Quarantäne sinnvoll nutzen. Die Situation ist dieselbe wie in Europa. Unsere Lieben zu Hause sind auch eingeschränkt in ihrer Bewegungsfreiheit und kommen nicht aus dem Haus. So geht es uns auch. Auf dem Schiff hat es immer was zu tun. Bevor das Boot verschifft wird müssen die Segel, das Bimini und Sprayhood runter, der Achterstag wird für den Verlad gelöst und danach wieder fixiert, der Mast bleibt aber stehen. Die Vorräte an Lebensmitteln müssen aufgebraucht oder entsorgt werden. Einzig unsere Rum-Kollektion wird den Weg nach Europa machen! Ob der Rum auch drüben so gut schmeckt wie hier? Wir werden es sehen!
Das Wetter ist nach wie vor sehr schön. Lufttemperatur knapp unter 30 Grad, Wassertemperatur bei 26 Grad. Schwimmen ums Boot oder mit dem SUP paddeln im Umkreis von einem Kilometer darf man auch während der Ausgangssperre.
Morgens um 9.00 gibt es die erste formelle Funkrunde mit den Seglern hier in Jolly Harbour. Um 9.30 findet die zweite, deutschsprachige Runde auf dem Kanal 72 statt. Abends um 17.30 Uhr trifft man sich wieder auf dem Kanal 74 zur Apero-Runde. Jeder erzählt was er gerade im Glas hat und wie er den Tag verbracht hat. Am Schluss gibt es ein Länderquiz. Caro hat heute das Quiz über die Schweiz moderiert. Morgen bin ich dran mit Kroatien. Die Tage vergehen sehr schnell in dieser netten Runde!
Was uns extrem erheitert hat, sind die vielen kreativen Beiträge zum Thema Ausgangs- und Kontaktsperre die wir per WhatsApp erhalten haben. Da waren paar wirkliche grosse Lacher drunter. Wenn wir ein wenig deprimiert sind, schauen wir uns wieder die alten Beiträge an…. und plötzlich geht es uns besser!




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