Grenada

Grenada ist die südlichste der Antilleninseln oder der «Westindies» wie sie hier genannt werden (Die Inseln wurden von Columbus auf seinem westlichen Weg nach Indien entdeckt = es handelt sich um Grosse-, Kleine- Antillen, Bahamas und Turks und Caicosinseln, daher etwas verwirrend „Westindies“).

Der Staat Grenada besteht aus der Inseln Grenada, Carriacou und Petit Martinique. Grenada erlangte Unabhängigkeit in 1974, blieb aber Bestandteil des Commonwealths und somit direkt der britischen Krone unterstellt.  Die Damen und Herren in meinem Alter mögen sich noch an die militärische Intervention der Amerikaner in 1983 erinnern. Ronald Regan hate damals mit 7.000 Soldaten, einen Versuch hier ein zweites kommunistisches Land nach Vorbild Cubas zu errichten, im Keim erstickt. Der Krieg dauerte 4 Tage und hatte insgesamt rund 100 Tote auf beiden Seiten zur Folge. Als die Margarete Thatcher die Frage stellte, wie er sich erlaube in einen Commonwealth Mitgliedstaat einzumarschieren, antwortete er süffisant, «This did’t disturb my breakfast at all».  Die paar Dutzend Tote auf beiden Seiten offenbar auch nicht…

Immerhin war das eine erfolgreiche Intervention der USA. Den Menschen hier geht es heute deutlich besser als auf Cuba.

St. George’s ist der Hauptort der Insel mit einer quirligen Innenstadt, einer schönen Marina in der natürlichen Hafen und einer freundlichen Bevölkerung. Wie auf allen anderen Karibik-Inseln wachsen hier Zuckerrohr (Rhum), Bananen und Kakao-Bohnen. Aufgrund des hier vorkommenden Muskatnusses wird sie auch Spice-Island genannt. Die Schoggi von Grenada ist ausgezeichnet.

Grenada Sailing Week

Als wir da waren, fand gerade die Grenada Sailing Week statt. Dessen Höhepunkt ist die zweitägige Regatta der lokalen Arbeitsboote. Es handelt sich jeweils um «one design»-Boote die ohne Ballast und sonstigen technischen Schnick-Schnack auskommen und äusserst anspruchsvoll zu segeln sind. Wie waren Zeugen von mehreren Kenterungen! Die Stimmung ist ausgelassen fröhlich oder auf Karibisch: Maximum Chill!

Die fröhliche Seglergemeinde

Grenada liegt am südlichen Rand des Hurrican-Gürtels und ist deshalb bei den Seglern, die in der Karibik die Hurrican-Season verbringen, sehr beliebt. Es handelt sich um grosse Segler-Gemeinde, die sich hier über das «Cruisers-Net» organisiert. Das Crusiers-Net findet jeden Morgen um 7.30 Uhr auf VHF Kanal 66 statt. Es handelt sich um einen, in englischer Sprache moderierten, Chat zu folgenden Themen: Wetterprognose, wichtige Mitteilungen, soziale Aktivitäten, technische Fragen an die Kollegen, Werbefenster für das Kleingewerbe, Bilgen-Schätze (zu verkaufen / verschenken) usw. Anschliessend laufen den ganzen Tag auf Kanal 68 die individuellen Absprachen unter den Mitgliedern.

Die berühmteste soziale Aktivität, britischer Prägung, ist der Grenada-Hash. Hash hat nichts mit Hashisch zu tun, hat aber ähnliche Wirkung. Man trifft sich jeden Samstag (es handelt sich jeweils um 50 bis 300 Teilnehmer) jeweils an einem andere Ort und läuft oder rennt anschliessend 5 – 7 Kilometer zusammen, um dann bei einem Rhumshop bis tief in die Nacht zusammen zu feiern. Drei Bier kosten 15 EC$ (CHF 5,-). Dazu gibt es Poulet oder Burger vom Grill. Es handelt sich also um ein Projekt, wie die Initiatoren sagen, für «Drinkers with the running problem». Der Startort wird über Cruisers-Net auf Kanal 66 bekanntgegeben. Manchmal läuft man verkleidet als Frau, diesmal aufgrund des nationalen Feiertags in nationalen Farben Grenadas. Die «Virgins» (Novizen) müssen sich einem Initationsritus unterziehen, welcher nur stark betäubt zu ertragen ist. Es gibt viele «lustige» Youtube-Videos zu diesem Thema.

Ansonsten ist die Segler-Gemeinde, hier eher aufs Wohnen auf dem Wasser als auf das Segeln ausgerichtet. Viele Schiffe verlassen den Ankerplatz in einer der Grenada-Buchten nur selten. Dafür hilft man sich gegenseitig bei technischen Problemen und pflegt auch sonst intensiven Kontakt. Berühmt sind die regelmässigen Jam-Sessions in einer der Strandbaren. Aber auch das Einkaufen gehen ist eine soziale Aktivität. Diese funktioniert hier wie folgt: Auf Cruisers-Net  wir die Abfahrtszeit des Shopping-Busses bekanntgegeben (meistens 9.30). Zur angegebenen Zeit trifft man sich bei der Einfahrt in die Marina, voll bepackt mit leeren Einkaufs- und Kühltaschen. Irgendwann erscheint dann der Fahrer mit dem Minibus und fährt mit 5 bis 10 Personen einkaufen. Die erste Haltestelle ist jeweils die Bank, wo alle zuerst am Bankomat das Geld abheben. Danach geht es der Reihe nach zum Supermarkt, Obst- und Gemüseladen, Cash&Cary und Do-It-Yourself Laden. Überall wartet der Fahrer bis alle wieder im Bus sitzen und fährt dann zu nächster Station. Am Schluss zahlt jeder dem Fahrer 15 EC$ (CHF 5,-) und trägt seine Einkäufe zum Dinghy-Dock (Anlegestelle für Beiboote). Mit dem Dinghy geht es dann wieder zurück aufs Boot und der Kühlschrank ist wieder gefüllt, meistens mit der Ware die man gar nicht auf der Liste hatte. Man kauft nämlich nicht das was man gesucht hat, sondern schlicht das was man bekommt. Vieles was für uns selbstverständlich ist, ist hier überhaupt nicht oder nur schwer erhältlich. Wir vermissen Alltägliches, wie Orangen, frischen Salat, gutes Fleisch, Salami, Käse. Was auf der Insel nicht wächst muss importiert werden und ist deshalb teuer und schwer erhältlich.

Wir werden uns auf Martinique wieder für einen Monat mit Ware eindecken. Die Insel ist französich geprägt und der Carrefour ist auch hier mit einem anständigen Sortiment präsent. Der Weinvorrat den wir aus Europa mitgenommen haben ist zum Glück noch nicht aufgebraucht…

Kick’em Jenny – Ein aktiver Vulkan unter der Meeresoberfläche

Eher zufällig haben wir auf der elektronischen Karte die RED ALERT EXCLUSION ZONE zwischen Grenada und Carriacou entdeckt. Es handelt sich um ein Gebiet welches nicht befahren werden sollte. Der Grund dafür ist ein aktiver Vulkan unter der Wasseroberfläche mit einem eher spassigem Namen: „Kick’em Jenny“. Wir haben das Gebiet natürlich pflichtbewusst aber eher schmunzelnd weitläufig umfahren. Heute lese ich in der neuesten Ausgabe der YACHT Zeitschrift darüber folgendes:

„Hin und wieder wird der Vulkan aktiv und presst riesige Gasblasen durch kleine Risse im Meeresboden – Blasen von der Grösse eines mittleren Bootes, die dich wie einen Stein in den dunklen Abgrund fallen lassen, wenn sie dich an der Oberfläche erwischen. 60 Menschen hat Jenny auf die Art bisher in die Tiefe gerissen. In schlechten Jahren wurden Gesteinsbrocken in den Himmel geschleudert, eine 275 m Fontäne hat man schon gemessen, worauf dann prompt ein ansehnlicher Tsunami gefolgt war“.

Ich sage nur: Wenn nicht war, dann aber sehr gut gelogen!

Carriacou und Sandy Island

Nördlich von Grenada liegt unsere Lieblingsinsel Carriacou. Der Name ist abgeleitet aus Karibischem: «Insel der Korallenriffs». Die Hauptstadt der Insel ist Hillsborough. Die Insel zählt 8.000 Einwohner und mehr als 100 Rhum-Shops sowie 20 ausgezeichnete Tauchspots. Für uns die Motivation endlich den PADI Open Diver Kurs zu absolvieren. Vor der Insel liegt eine kleine Sandbank «Sandy Island» mit wunderschönen Schnorchelspots. Alex und Gerry von der Deefer-Diving Carriacou führen in Hillsborough seit rund 10 Jahren einen 5 Sterne Tauchressort. Alex hat sich kompetent und sehr geduldig eine ganze Woche liebevoll um uns gekümmert. Mittwoch bis Freitag konnten wir bereits mit anderen Gästen 6 Tauchgänge an verschiedenen Tauchspots bis zu einer Tiefe von 20 m absolvieren. Ein unbeschreibliches Erlebnis!

PADI Tauchkurs @ Deefer-Diving Hillsborough

Soeben entdeckt – mein nächstes Fahrzeug:

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