Erste Eindrücke
Wenn dich Verkäuferin mit «Honey» anspricht und die Kellnerin mit «Darling», dann bist Du in der Karibik angekommen. Es handelt sich keineswegs um billige Anmache. Die Menschen sind sehr herzlich. Es geht auch nicht ums Trinkgeld (Servicecharge ist inbegriffen) sondern um eine natürliche Herzlichkeit und Fröhlichkeit. Diese hilft einem die teilweise langen Wartezeiten besser zu ertragen. Es gilt auch hier, wie überall im Süden, die «Island Time» – man nimmt es nicht so genau mit den Terminen und Wartezeiten.
Es gibt viele Leute die einem was Kleines verkaufen möchten oder eine mühselige Arbeit abnehmen wollen. Die Früchte und das frische Brot werden aufs Boot geliefert. Das Boot wird gewaschen. Die dreckige Wäsche gewaschen und die leere Gasflasche aufgefüllt und zurück aufs Boot gebracht. Das hat alles seinen Preis, aber man kann sich hier echt gut gehen lassen
Segeln in der Karibik
Die Marinas sind sehr gepflegt, die Liegeplätze grosszügig, die Preise sehr moderat (Insbesondere im Vergleich mit Kroatien). Es gibt sehr viele Restaurants, wobei die in den Marinas bisher die Besten waren. Landschaftlich ist die Gegend sehr reizvoll, grüne Hügel und schöne Buchten mit goldigen Sandstränden. Das Klima ist grossartig: 27 bis 30 Grad tagsüber, 25 Grad nachts, Wasser 25 Grad. Mein Wunsch die langen Hosen für paar Jahre «an den Nagel zu hängen» könnte in Erfüllung gehen. Es regnet fast jeden Tag. Manchmal auch dreimal pro Tag. Spätestens nach 5 Minuten ist das aber auch vorüber.
Der Passatwind weht mit einer unglaublicher Konstanz, rund um die Uhr mit 10 – 20 Knoten aus Ost / Nordost. Das ergibt bei meisten Strecken vom Süd nach Nord einen am Wind bis Halbwind-Kurs, mit TWAs zwischen 60 und 90 Grad. Die VIVA läuft hier mit gerefftem Gross und der Fock mit Leichtigkeit die Rumpfgeschwindigkeit von 9 bis 10 Knoten. Wunderbares, schnelles und entspanntes Segeln!
Paradies gefunden? Wie immer im Leben, wo Sonne ist, ist auch ein Schatten. Wir vermissen ein bisschen die hübschen Städte des Mittelmeers, wo man am Abend flanieren kann und morgens Cappucino trinken kann, die guten Restaurants und die engen Gassen, die Geschichten erzählen. Die Supermärkte bieten eine anständige Produkte-Auswahl, aber nicht die Produkte-Qualität und -Vielfalt, die wir aus Europa kennen. Viele landwirtschaftliche Produkte müssen importiert werden und sind deshalb verhältnismässig teuer. Der Fisch ist auch hier erhältlich, schmeckt aber nicht so wie im Mittelmeer.

Rodney Bay 

Spinnakers – Strandbeiz in Rodney Bay 
Happy hour! 
Marigot Bay 


Die Pitons – Wahrzeichen von St.Lucia 




Sonnenuntergang in Marigot Bay
Koloniales Erbe
Das Erbe der Kolonialzeit ist allgegenwärtig. Die meisten Inseln haben mehrfach die Besitzer gewechselt. Die Britten und die Franzosen reichten sich hier die Klinke. Im Falle von St. Lucia 14 Mal! Nach dem der Sklavenhandel verboten wurde, haben die Britten für Ihre Zuckerrohr-Plantagen die Inder angeheuert. Die lokale Bevölkerung ist dem entsprechend dunkel bis schwarz. Es sind wenige Europäer die hier ihren ständigen Wohnsitz haben. Dafür gibt es eine grosse Seglergemeinde aus den USA, Skandinavien, Deutschland, Grossbritannien aber auch der Schweiz, die hier einen oder mehrere Winter verbringen. Es gibt viele grosse Segelanlässe von Grenada im Januar bis Antigua und St. Barth im April. Wir wollen uns diese Highlights nicht entgehen lassen.
Wo sind die ARC-2019 Schiffe?
Was machen die 300 Schiffe die mit ARC den Atlantik dieses Jahr überquert haben? Rund 10 % oder 30 Schiffe werden am 11. Januar zur World ARC starten, um nach 15 Monaten über Pazifik, Südafrika und Brasilien wieder in der Karibik anzukommen. Die restlichen 270 liegen zerstreut in den Buchten des Karibiks. Ansonsten sieht man immer wieder die gleichen Schiffe auf dem AIS, haltet einen kurzen Schwatz über Funk mit ihnen und wünscht sich eine gute Weiterreise. Die Familien mit Kindern halten zusammen. Zufriedene Kinder = glückliche Ferien! Wir haben paar wirklich gute Leute gefunden, mit denen wir gerne unsere Zeit verbringen werden.
Ein- und Ausklarieren, Geld und Sim-Karte wechseln…
Da jede Insel ein kleiner Staat ist, gehört das Ein- und Ausklarieren an die Tagesordnung. Mit den Reisepässen und Schiffspapieren zur Grenzkontrolle, die Zoll- und Einwanderungsbehörde aufsuchen und unzählige Formulare ausfüllen. Manchmal kann man die Formulare im Vorfeld online über «Sailclear» ausfüllen. Manchmal ist aber das System gerade «out of order», dann macht man es zweimal. Auch wenn man die Insel nur für 10 Tage verlässt: Bei erneuter Einreise das ganze Spiel von vorne. Schlussendlich geht es nur darum paar Leute zu beschäftigen und paar EC$ (East Caribbean Dollars) abzuliefern (2,6 EC$ = 1 US$ = 1 CHF). Nicht nur Ein- und Ausklarieren sondern auch der Sim-Card-Wechsel gehört zu den eher lästigen Prozeduren bei jedem Wechsel des «Staatsgebiets». Ironischer Weise geht die «FLOW» Simkarte aus St.Lucia auf St.Vincent nicht mehr. Ähnlich geht es auch den Digicell und Orange-Kunden. 10 GB Daten und 100 Gesprächsminuten (für Handwerkehr, Taxis und Restaurants) kosten moderate CHF 40,-. Leider verfällt immer wieder ein Teil des Guthabens unverbraucht beim Verlassen der Insel. Unsere aktuelle Telefonnummer musst Ihr nicht aufschreiben. Die wechselt ja schon in paar Tagen wieder. Am besten per Whatsup-Call oder Skype anrufen. Wenn wir nicht abnehmen, rufen wir gerne zurück.
Rumpunch, Hummer und Weihnachtsstress
«Rumpunch» – ist eine heimtückische Erfindung, bei der ein grosser Anteil des hochprozentigen Rhums mit Fruchtsaft, Grenadinensirup, Angosturabitter und Zuckersirup vermischt wird. Am Schluss kommt noch etwas Muskatnuss und Zimtpulver dazu. Mit viel Eis serviert merkt man vom Hochprozentigen fast nichts. Nach 5 oder 6 Glas sucht man dann stundenlang sein Schiff in der Marina oder wird am Strand im Sand paniert. Beides schon «beobachtet»….
Der allgegenwärtige Hummer – ist eigentlich gar keiner, sondern eher eine Languste (kleiner und ohne dicke Zangen). Den bekommt man von den Bootsboys aufs Schiff geliefert oder am Strand gegrillt. Wie beim Kochen im heisem Wasser wird das arme Tier lebendig verarbeitet, d.h. halbiert und auf dem Holzkohlengrill gebrutzelt. Schmeckt vorzüglich mit lokalem Bier (Piton, Caraibe oder Hairoun – so heissen die lokalen Biermarken hier im Süden). Muss aber auch nicht jeden Tag sein. Wein bekommt man auch aber nur in «einfacher» Qualität und zu moderaten Preisen. Zum Glück liegen da noch paar schöne Tropfen im Weinkeller auf dem Schiff aus Europa.
Weihnachten in den Troppen? Gleich wie in Europa. Einzig die Christbäume sind aus Plastik. Anstelle von Glühwein gibt es Rumpunch. Familie ist zu Besuch, man freut sich riesig auf einander und geht sich zwischendurch mal gegenseitig ordentlich auf die Nerven. Nicht anders wie zu Hause!






Theres und Caro 


Luca und Tabea 



Zeljko „hilft“ in der Küche 


Luca – ohne Bart! 
Matteo und Martin 

Martin
Was macht das Schiff? (nur für technisch interessierte unter Euch)
Danke für Nachfrage – sehr gut! Wir haben endlich das Bugstrahlruder in Ordnung gebracht. Das in Mindelo reparierte Vorsegel hat einen neuen UV-Schutz bekommen. Der Rest funktioniert!
Wir sind sehr glücklich, dass wir einen Strom-Generator haben und das Wasser selber produzieren können. Gerade als wir über Weihnachten und Neujahr zur Sechst auf dem Boot waren und mehrheitlich in den Buchten übernachteten, haben wir das frische Wasser und Strom in ausreichender Menge sehr geschätzt. Im Mittelmeer haben wir die beiden Geräte fast nie gebraucht!
Projekte für 2020: Wir werden dieses Jahr die Grundbesegelung erneuern. Es liegen uns bereits 5 Angebote für das neue Gross und die neue Fock vor. Es wird wieder ein robustes Dakron- oder allenfalls Hydranet-Segel (Dakron mit Dyneema-Netz) sein. Nächste Woche wird bestellt. Elvström hat die Nase vorn…
Der nächste Upgrade betrifft den Propeller. Der vorhandene Standard Propeller von Volvo ist ein starrer Propeller, welcher sich beim Segeln mit dreht, das Schiff dabei aber um mindestens eine halben Knoten bremst. Wenn man den Rückwärtsgang einlegt wird das Getriebe geschont, (der Propeller dreht sich nicht mehr), bremst aber das Schiff um einen ganzen Knoten pro Stunde. Bei langen Strecken ein nicht unerheblicher Nachteil! Die Lösung heisst: Faltpropeller. Dieser faltet sich beim Segeln zusammen und bremst dadurch das Schiff deutlich weniger. Manche Faltpropeller sind auch effizienter bei der Vorwärtsfahrt als der Starrpropeller (Weniger Umdrehungen für die gleiche Geschwindigkeit, weniger Lärm und weniger Diesel-Verbrauch). Sie haben aber meistens im Rückwärtsgang einen Nachteil (längerer Anhalteweg). Auch hier gilt es abzuwägen zwischen den Vor- und Nachteilen. Der Favorit ist Flexoflod aus Dänemark (und nicht der in der Schweiz sehr beliebte Gori-Propeller!).
Wie geht es weiter?
Wir haben in den ersten 30 Tagen St. Lucia und St. Vincent mit den Grenadines (Bequia, Moustique, Mayreau, Palm Island, Canouan, Union Island und die Tobago Keys) besucht. St. Lucia ist mit Marigot Bay und Rodney Bay sowie den Pitons im Süden ein echter Highlight gewesen. Das ultimative Karibik-Feeling hatten wir aber auf den Tobago-Keys mit weissen Sandstränden, Schildkröten und riesigem Korallenriff wo man stundenlang schnorcheln kann.
Wir werden uns im Januar in Richtung Norden bewegen. Caro fliegt von Martinique für 10 Tage zu Rösli nach Hause. Ich werde mich um das Schiff kümmern und Martinique auf eigene Faust erkunden. Danach geht es auf Dominica, Guadeloupe und Antigua. Fortsetzung folgt!































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