Sizilien – uups – falschen Eingang erwischt….

Da wir schon mehrmals in Sizilien waren und den Osten (Catania, Siracusa, Taormina) sowie den Norden (Milazzo, Eolische Inseln) gut kannten, haben wir entschieden Sizilien von der Südseite anzugehen und über Trapani, Egadische Inseln nach Palermo zu segeln. Leider kommen die vorherrschenden Winde auf dieser Seite der Insel im Sommer praktisch immer aus Westen und damit direkt „auf die Nase“, was dazu führt, dass man bei 15 bis 20 Knoten Wind zwar viel zu Segeln kommt, leider aber fast keinen Weg macht. An vielen Tagen war die Luvgeschwindigkeit (der geleistete Weg in Wind- bzw. Zielrichtung) unter Segeln bei 2 Knoten pro Stunde. Nach 5 Stunden segeln verhalf uns dann jeweils der „Flautenschieber“ (Dieselmotor) auf ein Etmal (Tagesleistung) von immerhin 25 Seemeilen zu kommen. Die rote Linie zeigt die in den letzten drei Wochen gemachte Strecke.

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Viele schöne Städte

Siracusa / Ortygia

Von Griechen im 8. Jahrhundert gebaut, wunderschöne Ankerbucht vor der Stadt und ein lebendiger Markt. Viele sehenswerte Orte in der Nähe: Ragusa, Modica, Noto, Avola. Leider reichte die Zeit dazu nicht aus…

Licata und Porto d’Empedocle

Ausser des Hafens gibt es hier nicht wirklich viel zu sehen. Das Wasser gibt es nicht mehr in jedem Hafen. Auch Diesel ist nicht in jedem Hafen erhältlich. So mussten wir in Porto d’Empedocle dringend tanken. Die beiden Dieseltanks fassen rund 300 l. Mindestens 50 l brauchten wir.

Nach einer Stunde Wartezeit am Steg neben der Zapfsäule, erklärte uns der Tankwart, dass es ihm sehr leid täte, er uns aber auf keinen Fall Treibstoff verkaufen darf, da es sich um Treibstoff für die Fischer handelt („senza IVA und senza tassi“) und, dass dies ein schweres Vergehen („contrabando di gasolio“) wäre. Er bot uns aber an, dass uns der junge Fischer Pierro zur Eisenwarenhandlung fährt, einen „Bidone“ (Kanister) zu kaufen und dann zur Auto-Tankstelle den „regulären“ Diesel zu kaufen. Als wir im Auto sassen und mir der Pierro erklärte, dass er zu Hause vier kleine Söhne hat und er nicht mehr mit eigenem Boot Fischen darf, weil er die Lizenz von 50.000,- € (lebenslängliche) nicht bezahlen kann, und ich mir schon Tränen aus den Augen wischte, kam er mit dem Vorschlag, dass er mit eigenem Auto und eigenem Kanister zur Fischer-Tankstelle fährt und er da für uns 100 l von günstigeren Diesel besorgt. Diesen würden wir dann heimlich in unsere Schiffstanks umfüllen, ohne dass die Guardia di Finanza etwas davon erfährt. Wir würden € 1 für ein Liter bezahlen (Statt 1.70) und er würde auch was daran verdienen. So fuhren wir wieder in den Hafen zurück. Als wir da waren, kreiste gerade die Guardia di Finanza im Hafen herum, sodass im der Onkel der gerade im Hafen war, doch von diesem Deal abgeraten hat. Erst nachträglich erfuhren wir, dass er bereits einmal deswegen verhaftet wurde und mit einem blauen Auge davon kam.  Also fuhren wir noch einmal mit seinem VW Polo und seinen „Bidoni“ zur regulären Tankstelle und kauften Diesel für 1.70 €.  Die 30 € die Pierro bekommen hat und die 10 € die an den Tankwart gingen gehören zum einem kleinen persönlichen Beitrag zur Überwindung des Nord-Süd-Gefälles. So macht auch das Tanken in Sizilien Spass…

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Mazara del Vallo

Grosser Fischerhafen mit einer Werft und hübscher Altstadt.

Trapani

Ausgangshafen für die Touristenschiffe nach Favignana, Levanzo und Marettimo (Egadische Inseln). Hier haben wir wahrscheinlich das beste Eis seit langem gegessen (Gelateria „Meno 13“ im Hafen). Und übrigens: hier isst man den Gelato nich aus dem „cono“ und auch nicht aus der „coppa“ sondern mit bzw. aus einer Brioche mit Schlagrahm oben drauf! Wahrscheinlich nicht als Dessert, sondern als ganze Mahlzeit gedacht!

Egadische Inseln

Wir haben lediglich Favignana und Levanzo besucht. Marettimo liegt 18 Seemeilen von der Küste entfernt und ist praktisch nicht bewohnt. Viele schöne Ankerbuchten und griechisch anmutende Hauptorte. Zu den Ankerbuchten: Die Italiener verlassen das Haus erst wenn sie mindestens 20 Freunde auf das Boot gepackt haben und / oder noch mindestens drei bis 5 andere „Gommoni“ (Gummiboote) mitfahren, sodass man schön „im Päckli“ ankern kann (siehe Bilder). Irgendwie sympatisch: Geteilte Freude = doppelte Freude!

Castellammare del Golfo

In der Bucht vor Palermo. Sehr hübsche Hafenanlage und eine lebendige Altstadt auf der Anhöhe. Viele schöne Strände in der Nähe. Flughafen Palermo nur einen „Katzensprung“ von hier entfernt.

Palermo – die herbe Schönheit, die Stadt der Gegensätze

Hier hatten wir gerade Besuch von unseren lieben Freunden Yvonne und Stefan. Genug gegessen und getrunken und zu wenig gesegelt. Leider wollte der Wind nich mehr so richtig! Gleichzeitig Stürme und Zerstörung von Rom aufwärts bis nach Zürich.

San Vito lo Capo

Nordwestlicher Zipfel Siziliens. Hier warten wir auf die richtige Windprognose für den 180 SM Schlag nach Sardinien. Quirlige Stadt mit wunderschönem Sandstrand und einer eher heruntergekommenen Marina. Einmal Boot waschen und Proviant bunkern und dann geht es los (wahrscheinlich am DO, 1. August 2019). Vielleicht zünden wir eine rote Rakete aus dem Rettungsvorrat, wenn uns keiner sieht..

Technischer update – was so alles kaputt gehen kann…

Mit den Elektro-Winschen hat man wenig Gefühl für die eingesetzten Kräfte. So kann es passieren, dass es einem Block „zuviel“ wird. Dann sieht er so aus:

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Oder man ersetzt die Polyester-Fallen durch Dyneema-Leinen, die die Arbeitslast eines Stahlseils haben, dafür sind sie so hart, dass sie durch den Stopper rutschen. Neue Stopper müssen her…

Bugstrahlruder in Trapani repariert. Drei Tage in der Marina (Handwerkehr hat den Termin nicht eingehalten) und  € 200,- Reparaturkosten. Die Lösung hat genau eine Woche gehalten. Neuer Termin auf Sardinien vereinbart. Zum Glück braucht man dieses Teil nicht beim Überqueren des Atlantiks!

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Die Küche Siziliens

Viel frischen Fisch, am liebsten „crudo“ = roh. Danach ein Teller Pasta als „Primo“. Danach mag man eigentlich nicht mehr. Doch vielleicht noch ein kleines Gelato, ohne Brioche! Bei den Weinen, bevorzugen wir die frischen weissen lokalen Sorten: Zibbibo, Grillo und Catarratto. Zum Essen gehören auch die Märkte, wo die Verkäufer lautstark ihre Produkte feilbieten. Ein Erlebnis für alle Sinne! Eher einem marokkanischem Souk, als einem mitteleuropäischem Markt gleichend.

That’s all folks for the time being! Stay tuned!

 

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