Es ist Mittwoch Abend 22.15 Uhr. Vollmond. Wir haben gestern zu dieser Zeit in Sanary sur Mer vollgetankt und sind in Richtung Korsika aufgebrochen. Gestern haben wir es bis zur Insel Porquerolles vor Hyere mit dem „Flautenschieber“ (Dieselmotor) geschafft. Nach vier Stunden schlafen ging es heute morgen um sechs auf Kurs 100 direkt nach Calvi / Korsika. Von den insgesamt 125 SM sind nun nur noch 25 SM vor uns. Der Kurs ist immer noch 100. Wir mussten nur zweimal die Segelstellung korrigieren. Ansonsten war das eine „Schlittenfahrt“ mit einem konstantem Südwester von 15 bis 18 Knoten etwas achterlicher als querab. Wären wir morgen Donnerstag aufgebrochen, dann hätten wir gleich viel Wind von vorne gehabt: ein Kampf gegen Wind und Wellen. Aus den 125 SM auf direktem Weg wären es 180 SM geworden und wir hätten zwei Nächte und einen Tag dafür gebraucht.
Das war heute für uns eine einmalige Erfahrung. Das befreiende Gefühl da draussen, nach dem sich das Festland hinter dem Horizont verabschiedet, ist einmalig. Die Küste Korsikas ist erst wieder nach 50 SM auf dem Horizont erschienen. Eine kleine Kostprobe für die Atlantiküberquerung….
Im Übrigen: um ein Gefühl für Distanz zu bekommen: Die Adria ist zwischen Zadar und Ancona 76 SM breit. Wir sind in den letzten 24 Stunden diese Distanz 1.5 Mal gesegelt.
Ansonsten haben wir auch die vergangene Woche alle Hände voll zu tun gehabt. Wir haben uns entschieden bei der lokalen Sattlerin das Tuch vom Biminitop zu erneuern und zusätzlich auf beiden Seiten und achtern einen abnehmbaren Vorhang als Sonnenschutz zu installieren. Valerie hat das bravourös in nur 5 Tagen erledigt. Wir haben diese Zeit für einen Wochentörn an der Côte genutzt. Sehr gut gefallen haben uns Le Lavandou und die beiden vorgelagerten Inseln Porquerolles und Port Cros. In St. Tropez haben wir es nur eine Nacht ausgehalten. So viele durchgeknallte Typen mit ihren Rennboten habe ich noch nie in meinem Leben gesehen. Wenn man am Gummiboot nicht mindestens 2×300 PS hängen hat, dann kann man sich am Strand von Pampelone gar nicht zeigen. Die Anstandsdistanz beim Kreuzen mit diesen Typen ist jeweils 5 m. Sonst wüsste man gar nicht welcher Idiot hinter dem Steuerrad steht….
Ansonsten gibt es von der Côte nur Positives zu berichten. Sehr reizende Gegend mit hervorragender nautischer Infrastruktur. In der Bucht von Sanary gibt es auf engstem Raum 5 Marinas. Da gibt es Marinas mit 1.500 Bootsplätzen, (tw. mit einem Häuschen dazu, wie z.B. Cogolin, Port Grimaud, Port Camargue, la Grand Motte) Die Franzosen sind definitiv eine maritime Nation! Kein Wunder, dass die meisten Freizeit-Boote in Frankreich hergestellt werden.
Apropos Marinas: wir sind bisher mehrheitlich in den Marinas unterwegs gewesen. Wenn man am Schiff arbeiten will, dann geht es gar nicht anders. Da wir mit unserem Watermaker und Diesel-Generator völlig unabhängig von der lokalen Infrastruktur leben könne, wollen wir nun vermehrt in (den einsamen – 8-tung Ferragosto) Buchten übernachten. Da mutiert das Dinghi mit dem Aussenborder zum wichtigsten lokalen Verkehrsmittel und Baguette-Lieferanten. Da das, mit dem Schiff gekaufte, 4 PS Aussenborder mit 28 KG gar nicht „handy“ist, werden wir uns nächste Woche einen kleinen Suzuki 2.5 PS (14 KG) leisten. Braucht jemand einen 4 PS Yamaha (Gratis abzugeben in Olbia)?
Nächste Woche segeln wir runter nach Sardinien und nehmen in Olbia für ein verlängertes Wochenende unsere Jungs in Empfang. An der Costa Smeralda wird Caros Geburtstag gefeiert.
Fortsetzung folgt….


























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